Ostermorgen

Kurz vor den Ostertagen wurde im vergangenen Jahr in den Medien diskutiert: Darf man am Karfreitag tanzen oder nicht? Oder sollte man besser das Gebot des „Ruhigen Feiertages“ abschaffen? Eine Mehrheit der Deutschen (60 Prozent) hat mit Karfreitag und Ostern nichts zu tun. Also am besten doch abschaffen, oder? Wäre doch  besser an diesem Freitag und am Sonntag und am Montag auch noch bei Ikea einkaufen zu gehen oder nach Köln shoppen oder ein Grillfest nach dem anderen zu planen!

Der Ratsvorsitzende der Ev. Kirche in Deutschland, Präses Schneider, wies in den Diskussionen darauf hin, dass der Ruf nach der Abschaffung von Feiertagen dem Ruf nach mehr Arbeitstagen gleich kommt. Vielleicht sollte man mal eine Umfrage starten, wie viele in Deutschland denn lieber drei Arbeitstage statt Feiertage über Ostern hätten. Die jahrhundertealte Tradition der Osterfeiertage bedeutete nämlich von Anfang an: frei sein von der Arbeit, um sich in Lob und Dank Gottes dem Wert des eigenen Lebens zu widmen.

Ich habe kein Problem damit, wenn viele Menschen Ostern mit anderen Dingen verbringen als mit Gottesdienst. Wir leben in einem freien Land. Aber das Festhalten an den Feiertagen in Karwoche und an Ostern bewahrt die Möglichkeit, Gott zu begegnen in der Erzählung von Tod und Auferstehung Jesu. 

Das schlichte Freihalten dieser Tage bewahrt den biblischen Geschichten ihren Platz in unserem Leben, persönlich wie gesellschaftlich. Und die Ostergeschichte hat es wahrhaftig verdient. Sie hat alle Elemente einer fantastischen Geschichte. Früh am Morgen, es ist noch tiefe Nacht, drei Frauen machen sich auf den Weg zu einem Grab. Das Grab eines von den Römern Gefolterten und Gekreuzigten, es ist mit einem riesigen Stein verschlossen und von Soldaten bewacht. Ein Erdbeben öffnet das Grab, ein Engel erschreckt die Soldaten zu Tode. „Fürchtet euch nicht“, ruft er den Frauen zu!

Man muss sich nur vorstellen, diesen Text in Damaskus/Syrien zu lesen, wo der Aufstand und die Hoffnung der Menschen auf Freiheit von Panzern und Soldaten in die ewige Grabesruhe geschlossen werden sollen.

Und dann, mit den ersten Sonnenstrahlen am Morgen: das Grab ist leer, kein Toter mehr zu betrauern, stattdessen die Begegnung mit dem Auferstandenen. Jesus lebt, er ist nicht tot zu kriegen! Sein Menschsein siegt, die Macht seiner Liebe strahlt auf, der Glaube an den lebendigen und befreienden Gott öffnet den neuen Tag!

Pfarrer Wolfgang Theiler

Ohne das - siegt die Macht des Terrors
Ohne das - herrschen Trauer und Traurigkeit
Ohne das - bleibt alles finster
Ohne das - wird alles sinnlos!

Mit Ostern aber fängt alles neu an
Mit dem Licht der Sonne
Mit der Botschaft der Hoffnung
Mit dem Wort des auferstandenen Christus
Siehe ich bin bei euch alle Tage
Bis an das Ende der Welt.