Können wir die Welt verändern?
Die meisten sagen, nein, alles bleibt, wie es ist.

Was müsste denn verändert werden? Läuft nicht alles gut in der Welt? Wer mit offenen Augen und Ohren die Dinge wahrnimmt, wird merken, dass es zuviel Ungerechtigkeit, zuviel Ungleichheit und darum auch zuviel Unfrieden in der Welt gibt.

In den Handelsbeziehungen zwischen armen und reichen Ländern ist alles festgelegt. Die, die viel haben, sitzen am langen Hebel, und bekommen immer mehr. Die, die wenig haben, haben wenig zu sagen. Wie das ist, haben die Konfirmanden spielerisch bei einem Wochenende über „Fair Gehandelt“ erfahren. Einen ganzen Morgen lang haben sie als Menschen in Brasilien gelebt, die in der Orangensaftindustrie arbeiten.

Am Ende wurde Kassensturz gemacht, was jeder am Tag verdient hat. Und da zeigen sich die Unterschiede, wie sie im Welthandel auch tatsächlich existieren, äußerst krass. Die Pflücker, die als Tagelöhner die Früchte von den Bäumen holen, hatten im Spiel einen Tagesverdienst zwischen 5 und 50 cent. Die Bauern, die ein kleines Stück Land bebauen, verdienten 3,42 Euro. Die Arbeitsvermittler, die die Saisonarbeiter auf die Plantagen bringen, erhielten 21 Euro. Die Fabrikbesitzer in Brasilien, die die Früchte verarbeiten und als Konzentrat einfrieren lassen, erwirtschafteten 100 Euro und die Saftfabrik in Hamburg machte einen Gewinn von 617 Euro. So ungerecht ist das, so reich sind wir in Deutschland, so arm sind viele in Brasilien oder anderswo. In Deutschland wird viel Orangensaft getrunken. 80 Prozent davon kommt aus Brasilien.

Jesus erzählt in der Bibel ein Gleichnis. Der reiche Kornbauer erntet immer mehr, seine Scheunen lässt er vergrößern, damit die reiche Ernte eingefahren werden kann. Aber über Nacht erhält er die Nachricht, dass er sterben muss. Was nützt ihm jetzt all sein Streben nach immer mehr und immer größer? Jesus erzählt die Geschicht, um uns zu warnen. Er warnt vor einem Leben in der Gier nach Reichtum, das sich nur um Besitz und immer mehr kümmert. Da bleibt das Leben auf der Strecke.

Was brauchen wir eigentlich zum Leben? An Erntedank werden wir wieder an diese Frage erinnert mit den Lebensmitteln, die wir ernten oder einkaufen. Soviel mehr Dinge aber bestimmen unser Leben. Nach Untersuchungen gibt es in einem normalen Haushalt mindestens 10.000 Gegenstände des täglichen Lebens. 10.000! Die Indianer in Nordamerika, die Navajos, kannten 236 Gegenstände für das tägliche Leben! Das ist überschaubar, 236! Aber 10.000 Dinge und mehr, kein Wunder, dass wir so unglücklich sind!

Immer mehr Scheunen zum Lagern, immer mehr Besitz, um den wir uns kümmern müssen. Immer weniger Zeit für uns, vor allem für Kinder und Ältere. Immer weniger Vorrang für die Liebe und für Gott!

Gott aber möchte, dass alle Menschen leben können und das geht nur durch Gerechtigkeit und Teilen. Wir können nur gut leben, wenn alle leben können. Sonst geht die Sache schief!

Die Welt fair - ändern, das geht nicht sofort, nur in kleinen Schritten, zum Beispiel mit fairem Handel. Wir genießen und die, die dafür arbeiten, dürfen auch ihr Leben in Würde gestalten. So einfach ginge es und ist doch so schwer!

Pfarrer Wolfgang Theiler